Schulpolitische Entscheidung der CDU-Werdohl

27.06.2019

Die CDU-Werdohl lud die Vertreter der Real- & Gesamtschule, sowie die Presse ein, um über die Schulpolitische Entscheidung zu berichten.

Die Ausgangssituation der notwendig gewordenen politischen Entscheidung ist hinreichend bekannt und beschrieben:
Nachdem die für den Betrieb einer Gesamtschule erforderlichen Schüleranmeldezahlen in Werdohl letztmalig für das Schuljahr 2012/2013 erreicht worden sind und die Genehmigung der Zweckverbandsschule mit der Stadt Finnentrop von der Bezirksregierung aufgrund ebenfalls zu geringer Anmeldezahlen zurückgezogen wurde, ist im Rat der Stadt Werdohl nunmehr auf entsprechende Anweisung der Bezirksregierung erneut eine schulpolitische Entscheidung zu treffen, die darauf hinausläuft, dass zukünftig nur noch eine der beiden weiterführenden Schulen als alleiniges Bildungsangebot der Sekundarstufe vorgehalten werden wird.

Die beiden Entscheidungsalternativen sind:
    • Das Angebot einer Realschule in einer veränderten Form, die es ermöglicht, Schüler mit Hauptschulqualifikation aufzunehmen und gegebenenfalls zum Hauptschulabschluss oder zur Fachoberschulreife zu führen und außerdem ein offenes Ganztagsangebot für die Schüler anzubieten. Diese Realschule kann zwei- bis fünfzügig betrieben werden.
    • Das Angebot einer Gesamtschule an der alle Schulabschlüsse einschließlich des Abiturs erworben werden können. Die Gesamtschule müsste auch als einzige weiterführende Schule immer noch mindestens vierzügig sein. Nach Auskunft der Bezirksregierung im Schulausschuss am 03.06.2019 sind hierzu mindestens Anmeldungen von 100 Schülern in der Eingangsklasse dauerhaft erforderlich.

Darüber, welche Schulform in Werdohl auf Dauer existieren wird, entscheiden die Schüler respektive deren Eltern durch ihr Anmeldeverhalten.

Kommunalpolitik kann an dieser Stelle nur ein Angebot zur Verfügung stellen.

Für uns war und ist immer noch wichtig, im Rahmen der Möglichkeiten unserer Kommune ein möglichst breit gefächertes Bildungsangebot in der Stadt Werdohl zur Verfügung zu stellen.
Insofern haben wir bewusst vermieden, eine ideologisch geprägte Entscheidung für oder gegen ein Schulangebot zu treffen, sondern zunächst die Bereitstellung aller Fakten und Beantwortung aller diesbezüglichen Fragen im zuvor erwähnten Schulausschuss abgewartet, während andere vor Kenntnis der vollständigen Faktenlage ihre Entscheidung gefällt und öffentlich verkündet haben.
Offensichtlich „spielen Fakten in politischen Auseinandersetzungen oftmals keine wesentliche Rolle mehr“ wie im Kommentar des Süderländer Volksfreund vom 05.06.2019 als Eingangssatz konstatiert wird. Während uns dort vorgeworfen wird, „in Werdohl Politik für die Realschule gemacht und die Gesamtschule vernachlässigt“ zu haben, sind die Fakten durchaus andere:
Zum einen hatte die CDU nie eine Mehrheit im Rat, die dies ermöglicht hätte.
Zum anderen sind schulpolitische Entscheidungen in der Vergangenheit meist einvernehmlich getroffen worden. Insofern war es uns auch nicht möglich, – in welchen „Grabenkämpfen“ auch immer – Mittel zu verweigern oder Sperrvermerke alleine durchzusetzen. Letztere sind übrigens immer dann aufgelöst worden, wenn die ausstehenden Fragestellungen zur Zufriedenheit der Mitglieder des Rates von der Verwaltung geklärt worden waren.
Wer jedoch die Veröffentlichungen der diversen Berichte und Protokolle der Stadt Werdohl aufmerksam verfolgt – und das darf man einem Lokalredakteur unseres Erachtens durchaus zumuten – wird feststellen, dass in den letzten zehn Jahren für die Realschulgebäude ca. 50 € pro Quadratmeter Fläche, für das Gesamtschulgebäude 154 € - mehr als das Dreifache - pro Quadratmeter Fläche aufgewandt worden sind. (Berücksichtigt wurden hier keine Kleinreparaturen, sondern nur Investitionen in einer Größenordnung, die durch den Vergabeausschuss zu bewilligen waren).
Dass unsere Fraktion in der Vergangenheit - und unterstellt auch in der Zukunft - die falsche Schulpolitik für diese Stadt betreibt, muss man als Meinung des Kommentators akzeptieren. Nicht akzeptiert werden müssen und ausdrücklich benannt werden dürfen jedoch - bestenfalls durch mangelhafte journalistische Sorgfalt entstandene – unzutreffende Aussagen!
Und seien sie dem Meinungstransport des Kommentators noch so dienlich!

Wir unterstellen allen Mitgliedern dieses Rates – auch uns selbst! - dass sie im Rahmen ihrer persönlichen Einschätzungen fundierte Entscheidungen zu Gunsten der Menschen in Werdohl zu treffen willens und in der Lage sind.

Im Kreise der Fraktion haben wir neben der Diskussion der uns zur Verfügung stehenden Informationen ausführliche Gespräche mit dem Schulleiter und der Schulleiterin der beiden betroffenen Schulen geführt. In diesem Zusammenhang gilt unser Lob und unsere Anerkennung den Leitungen, der Elternschaft und insbesondere den Schülern beider Schulen für Ihr Engagement für die jeweilige Schule und die dabei geübte Fairness im Umgang miteinander.

Ebenso hatte jeder einzelne von uns ausgiebig Gelegenheit zur Diskussion und Meinungsbildung in der Öffentlichkeit und im persönlichen Umfeld.

Dabei haben wir festgestellt, dass neben den emotionalen Bindungen an die beiden Schulen für beide Angebotsalternativen eine Vielzahl sachlicher Argumente in Feld geführt werden können.

Der dauerhafte Bestand der Gesamtschule bedingt weiterhin die Neuaufnahme von 100 Kindern pro Jahr. Somit muss der weit überwiegende Teil derjenigen Werdohler Eltern, die sich nicht dafür entscheiden, ihr Kind auf eine auswärtige Schule (Gymnasium oder eine andere Schulform) zu schicken, ihr Kind auf der Gesamtschule anmelden. Abgeleitet aus dem bisherigen Anmeldeverhalten der Eltern kann man dies als mit großer Unsicherheit behaftet ansehen, wenngleich es theoretisch möglich wäre.
Ob, in welchem Umfang und über welchen Zeitraum eine Abweichung von der Bezirksregierung geduldet oder erneut schulpolitische Maßnahmen gefordert werden: Darüber muss, in Ermangelung konkreter Aussagen, jeder seine eigene Einschätzung treffen.
Darauf basierend kann man dann entscheiden, das Gesamtschulangebot solange aufrecht zu erhalten, wie es toleriert wird, auch wenn die erforderlichen Anmeldezahlen nicht erreicht werden sollten. Und somit eine Entscheidung zu treffen für die Möglichkeit, das Abitur in unserer Stadt – zumindest noch für ein paar weitere Jahre - erwerben zu können.
Oder man kann sich dafür entscheiden, das Angebot einer Realschule aufrecht zu erhalten. Die Möglichkeit des Abiturs in Werdohl wird nach dieser Einschätzung nicht dauerhaft bestehen. Abgeleitet aus dem bisherigen Anmeldeverhalten der Eltern und der Erfordernis einer Zweizügigkeit ist sicher davon auszugehen, dass diese Schulform dauerhaft Bestand haben wird und damit weitere schulpolitische Experimente, die gegebenenfalls von der Gesamtschule über eine Sekundarschule zu einer Realschule zurückführen würden, den Werdohler Eltern und Schülern nicht zugemutet werden müssen.

Ob das Angebot einer Realschule in dann veränderter Form die bisherige Attraktivität behalten wird und ob sich dann das Anmeldeverhalten der Eltern gravierend ändern würde; ob die jeweils andere Schule die Aufnahme aller Schüler organisatorisch, im Raumangebot und pädagogisch darstellen kann und ob die Aufrechterhaltung der einen oder anderen Schule dazu geeignet ist, die Abwanderung Werdohler Schüler an die Schulen der umliegenden Städte zu verhindern oder zu befördern - zu all diesen Punkten – und vielen weiteren - gibt es innerhalb der Werdohler Bevölkerung und teils innerhalb von Familien unterschiedliche Ansichten und Meinungen aus denen unterschiedliche Präferenzen für ein Schulangebot resultieren.

Dieses heterogene Meinungsbild innerhalb der Werdohler Bevölkerung spiegelt unsere Fraktion durchaus wieder.

Wir legen grundsätzlich Wert drauf, Diskussionen innerhalb unserer Fraktion zu führen und dabei ein einheitliches Meinungsbild zu entwickeln und nach außen zu vertreten.

In Anbetracht der oben dargestellten Sachlage haben wir uns diesmal bewusst dafür entschieden, unser differenziertes Meinungsbild in die Abstimmung zu tragen.

Jedes Mitglied unserer Fraktion – und hoffentlich auch aller anderen Fraktionen - agiert dabei nicht „hasenherzig“, sondern trifft eine fundierte Entscheidung im Rahmen ihrer oder seiner persönlichen Einschätzung zum Wohle unserer Stadt.

Eine Mehrheit der Mitglieder unserer Fraktion wird dabei die Aufrechterhaltung des Angebotes einer Gesamtschule befürworten.


Werdohl, den 26.06.2019